Der Reuterkiez entstand größtenteils um 1900, einer Zeit, in der fast nicht schnell genug Wohnraum für all die nachströmenden Arbeiter vom Lande geschaffen werden konnte.
Die Wohnungen waren damals maßlos überbelegt, auch die bauliche Auslastung der Grundstücke war enorm.
 
Wurde die Bebauung auf den Grundstücken in den Berliner Innenstadtlagen nicht durchden letzten Weltkrieg oder durch Unglücke beschädigt oder vernichtet, entspricht die bauliche Dichte in diesen Lagen dem Stand um 1900. Typisches Merkmal dieser Bebauung sind häufig auch die sehr kleinen und wenig attraktiven Hinterhöfe.
 
Beim genaueren Hinsehen entdeckt man aber, dass einige dieser Hinterhöfe Potenzial für die Schaffung grüner Aufenthaltsräume haben. Voraussetzung dafür sind günstige Grenzsituationen von zwei oder mehr Hinterhöfen, die miteinander verbunden werden können. Mehr Lichteinfall, mehr Luftzirkulation und größere Gestaltungsmöglichkeiten schaffen so eine klassische Win-Win-Situation, von der
Bewohner und Eigentümer gleichermaßen profitieren.
 
Im Jahr 2010 hat sich ein Eigentümer im Reuterkiez mit der Möglichkeit befasst, die Höfe miteinander zu verbinden. Als Beginn sollten zuerst zwei angrenzende Höfe durch Entfernung des Zaunes miteinander verbunden werden. Nach der Prüfung erwies sich die Öffnung der beiden Höfe aus verschiedenen Gründen als leider nicht realisierbar.
 
Da der Bedarf an Grün- und Freiflächen im dicht bebauten Reuterkiez nach wie vor groß ist, verfolgen wir das Thema weiter und suchen nach Lösungen.
So könnten die Höfe Begegnungsstätten für die Bewohner werden, Kinder könnten dort spielen ohne Gefahr durch den Verkehr.
 
In den letzten Jahren wurden viele Höfe neu gestaltet mit Fahrradunterständen, Müllstandsplätzen und viel Grün, aber die Zäune blieben und wurden sogar erneuert. Die Ängste der Eigentümer und Verwalter waren zu groß, dass der Müll beim Nachbarn entsorgt werden könnte, Kinder zu laut im Hof herumtoben, die Einbruchsgefahr steigen könnte. So bleibt nur die Hoffnung auf die Zukunft.
 
   
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